Der neue Job

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 Behutsam zog Jens Mayer die Tür hinter sich ins Schloss.
»Puh! Das wäre geschafft.« Noch einmal richtete er sein Jackett, ging den langen, betongrauen Flur entlang, winkte dem Wachmann am Eingang zu und verließ das Gebäude.
Draußen empfing ihn die warme Luft eines späten Sommervormittags. Er streifte die Jacke wieder ab und legte sie über seine linke Schulter; mit beschwingten Schritten lief er zum Parkplatz und stieg in seinen Wagen.

Das Vorstellungsgespräch war gut gelaufen; an den Gesichtern der Kommissionsmitglieder glaubte er Zufriedenheit abgelesen zu haben.
Nur sein alter Bekannter Hans, dessen Chef er früher war, hatte die ganze Stunde geschwiegen.

Hans hatte, nachdem sich ihre beruflichen Wege trennten, sein Studium beendet und war mittlerweile Abteilungsleiter in der Behörde geworden, während sich Jens Mayer mit einer kleinen Dienstleistungsfirma selbständig gemacht hatte, die seit gut einem dreiviertel Jahr nur noch rote Zahlen schrieb.

Ihr Kontakt war in den letzten Jahren beständig weniger geworden; eigentlich kommunizierten sie schon lange nur noch über Facebook; und genau da veröffentlichte Hans vor knapp drei Wochen dieses Stellenangebot seiner Behörde.
Der angebotene Job schien wie für Jens Mayer gemacht: Gesucht wurde ein Organisationstalent mit technischen und kommunikativen Fähigkeiten und einer einschlägigen, beruflichen Ausbildung.

Hans war ein wenig überrascht, als Jens Mayer in anrief um sich nach den Details des Stellenangebotes zu erkundigen, wusste er bis dato doch nichts davon, dass es um Mayers Firma nicht gut stand. Sie beschlossen sich direkt am nächsten Tag in Hans’ Büro zu treffen, damit Jens sich vor Ort ein Bild machen konnte.

Hans, der selbst viel Zeit und Engagement in den Aufbau der neuen Abteilung investiert hatte, nahm sich einen halben Tag Zeit um seinem ehemaligen Chef alles genau zu zeigen.
Er führte ihn durch das neu errichtete Gebäude mit den vielen, technischen Raffinessen und schwärmte von den Möglichkeiten.
Am Ende des Tages waren beide davon überzeugt, dass es keinen Besseren für diesen Job geben konnte, als Jens Mayer.

Das das Vorstellungsgespräch tatsächlich gut gelaufen war bestätigte sich keine 10 Tage später, als Jens einen Anruf aus der Behörde erhielt, dass man sich für ihn entschieden habe. Knapp zwei Stunden später bekam er die schriftliche Bestätigung per E-Mail: „Sehr geehrter Herr Mayer, wir möchten Sie gerne in unserem Team haben. In der kommenden Woche erhält die Personalabteilung alle notwendigen Informationen, um die weiteren Schritte einzuleiten. Bitte haben Sie ein wenig Geduld“.
Ein Seufzer der Erleichterung entfuhr ihm.

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Ein Gedanke zu „Der neue Job

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